Donnerstag, 4. Mai 2017

Meine Tür und mein Schwert

Wir lernen momentan viel über das Reich Gottes. Es entblättert sich mir mehr und mehr, warum die frohe Botschaft tatsächlich froh machend ist und was das Wort Gottes mit meinem täglichen Leben zu tun hat. Manchmal erkenne ich, dass ich jahrelang an einer reich und wundervoll gedeckten Tafel gesessen bin, aber nur nach den Krümeln gegriffen habe, die in meine Nähe gefallen sind.

Dabei bin ich nicht nur eingeladen, sondern Tochter des Königs, der diesen Tisch gedeckt hat. Ich darf und kann mir von allem nehmen. Mehr noch - ich darf mich selbst sättigen und rechts und links austeilen. Und sogar noch mehr - ich habe das Recht und die Verantwortung als Kind des Hauses, anderen gegenüber die Gastfreundschaft meines Vaters zu leben. Ich darf selbstbewusst und mit frohem Herzen aufblicken und alles betrachten und auch ergreifen was vor mir liegt. Ich darf andere zu dem Fest einladen, weil ich weiß, dass mein Vater mir vertraut und dass meine Gäste auch seine Gäste sind.
Alle Versorgung kommt von ihm. Und alles was sein ist, ist auch mein. (Lukas 15,31)

Viele von uns, auch ich für lange Zeit, leben im Reich Gottes wie Knechte, die alles erbitten müssen und für jeden Schritt eine Handlungsanweisung oder Erlaubnis von Gott brauchen. Das entspricht aber nicht der guten Nachricht und hat nichts mit dem zu tun, was Jesus tatsächlich für uns getan hat. Er hat uns aus der Knechtschaft befreit und frei gemacht als Kinder Gottes in die liebevolle Beziehung zu unserem Vater einzutreten.

Das solltest du Dir einmal ganz langsam auf der Zunge zergehen lassen und in Dich hineinspüren, ob du das tatsächlich glaubst. Denn so steht es in der Bibel, in seinem Wort. Jesus spricht beständig davon, dass das Reich Gottes nahe herbei gekommen ist und bereits mitten unter uns ist. Und er sagt auch, dass wir Kinder Gottes sind (u.a. Röm 8,16)...
Diese Wahrheit wirklich für mich anzunehmen, hat weitreichende Konsequenzen. Viel weitere Konsequenzen als zumindest ich es bisher gesehen , geschweige denn gelebt habe. Als Kind im Haus meines Vaters kann ich mich völlig frei bewegen. Ich darf so vieles tun, ohne fragen zu müssen. Weil es selbstverständlich ist. So habe ich auch Vollmacht, weil der Vater sie mir gegeben hat. Durch Jesus. Es gibt Diener in Reich Gottes, die nicht nur Anweisung von mir befolgen werden, sondern mehr noch - sie sind um mich, um mir jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Ich darf in völlig selbstverständlicher Vollmacht handeln und sprechen. Und ja - der Vater erzieht mich dazu, dass ich diese Vollmacht weise gebrauche. Und er erzieht in Strenge, weil er weiß, was für mich am besten ist.
Ich gebe zu, dass es ein langsamer Prozess ist - ein Erkenntnisprozess. Aber jeder kleine Schritt in diesem Prozess hat die Kraft einer Explosion.

Soweit die Theorie - jetzt Mal ein Beispiel aus meinem Alltag.

Seit ein paar Wochen hängt folgendes am Bett unseres Sohnes,
Wir haben ein paar Psalmen aufgeschrieben und bebildert. Das kam daher, weil wir schon vor einigen Monaten eingeführt haben, dass wir beim Abendgebet kurz still werden und hören, was Gott uns zu sagen hat. Unser Sohn liebt das. Aber gleichzeitig habe ich gemerkt, dass unser abendliches, immer gleiches Ritual begonnen hat ihn zu langweilen. Er wurde unruhig, hat wo er konnte abgelenkt, gealbert - ich schätze die meisten Eltern kennen das. Und wir haben vor einiger Zeit gehört, dass wir unsere Kinder nicht unterfordern sollen, weil sie einen reifen Geist haben. Und dieser Geist braucht Nahrung, braucht das Wort Gottes - ebenso wie der Unsrige. Wir sind also drauf gestoßen, dass es eigenartig ist, mit ihm zu üben auf Gottes Stimme zu hören, wenn wir ihn nicht gleichzeitig mit Gottes Wort füttern - damit er die Stimme des Vaters erkennen lernt.
So kam es zu diesem Psalm.
Und wir sind echt verblüfft, wie sehr sich unser Abendgebet gewandelt hat. Unser Sohn liebt es. Er kann diesen bereits auswendig. Mal trägt er vor und Mami und Papi sprechen nach, mal anders herum. Psalm 100 hängt auch bereits und das tolle ist - diese Nahrung geht nicht so schnell aus und darum wird's auch nicht langweilig.

Aber zurück zu meinem Erlebnis. Letzte Woche Mittwoch war wieder so eine Nacht, in der ich des Öfteren aus dem Schlaf gerissen wurde und es endete damit, dass unsere beiden Söhne meine Seite des Ehebettes belegten und ich ins Kinderzimmer zog. In solchen Nächten kommt das übelste aus meinem Inneren zum Vorschein. Ich war wütend, grantig, voller Selbstmitleid und gefüllt mit aggressiver Energie - lauter Dinge die mich schaudern lassen.
Ich habe mich also in das Bett meines Sohnes geknüllt und angefangen mit Gott zu hadern. Voller Anklage, aber auch voller Verzweiflung darüber was in den untiefen meiner Seele für ein Schweinehund lebt. Irgendwann hatte ich die Selbstanklage satt und bin zum Kampf übergegangen. Das einzige was mir einfiel war Psalm 23. (Toller Nebeneffekt des Abendgebets ist nämlich, dass nicht nur unser Sohn die Verse auswendig kann...)
"Der Herr ist mein Hirte..." wiederholte ich immer wieder und schließlich: "Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde." Ich habe diesen kleinen Satz immer wiederholt und mich daran festgeklammert.
Und plötzlich ist eine Tür aufgegangen.
Whow!!
Ich habe zum ersten Mal bewusst eine Tür ins Wort Gottes gefunden. Mein Tor. Meine Tür.
Ich saß plötzlich an diesem Tisch. Und Jesus saß neben mir. Ich wusste, dass er da ist, aber meine Augen waren auf diejenigen gerichtet, die ebenfalls in dem Psalm erwähnt werden: meine Feinde.

Und zum allerersten Mal wurde mir bewusst, wer meine Feinde sind. Ich sah sie alle: den Stolz, den Egoismus, den Grant, die Wut, das Selbstmitleid, die Selbstanklage (echt dunkel) und viele mehr. Mir wurde bewusst, dass die Feinde in meinem Innern viel schlimmer sind als es äußere je sein könnten; weil sie mir den inneren Frieden rauben. Mein Blick war auf meine Feinde gerichtet und mein Blick gefangen in allem, was ich sah.
Und dann hat mich jemand sachte am Arm berührt und ich habe die Augen von meinen Feinden los gerissen und auf den Tisch geblickt, an dem ich saß. Jesus war es, der mich angetippt hatte und er deckte Platten und Töpfe vor mir auf. Sie waren bis zum Rand gefüllt mit Sanftmut, Friede, Gelassenheit, Kraft, Freude, Milde, Ausdauer, Humor und was mein Herz noch alles begehren konnte. Und weil es Realität und nicht Fantasie war, weil das Wort wahr ist, konnte ich zugreifen und mir nehmen.
Das spannende war: meine Feinde waren nach wie vor da. Ich konnte sie immer noch sehen. Aber es war meine Entscheidung, wo ich meine Augen hin ausrichte und meinen Fokus drauf lege. Und sie hatten keine Macht mehr über mich. Ich bin mit voll bepackten Armen wieder ins Bett meines Sohnes gekrochen und dann irgendwann friedlich eingeschlafen.
Ab dem nächsten morgen hat Epheser 6,17 für mich eine neue Dimension angenommen. denn ich habe mein persönliches Schwert bekommen: "Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde." Und allein dadurch, dass ich dieses Wort festhalte, gewinnt es mehr und mehr Realität. Und wenn ich beginne den Feind damit zu schlagen, wird und muss er weichen. Es ist mir völlig neu erfahrbar geworden, dass Jesus, das lebendige Wort, eine Türe ist. Und das ich tatsächlich durch diese Türe treten kann und mich auf der anderen Seite - im Reich Gottes - frei bewegen kann. Hier wie dort.

Für wen das abstrakt klingt - ich kann euch nur ermutigen. Es war lange abstrakt für mich.
Aber ER ist auch deine Tür und es gibt ein Wort, dass zu deinem Schwert werden kann. Finde es!!!

Freitag, 24. März 2017

Kleiner Spaziergang durch den Philipperbrief

"Und ich bete darum, dass eure Liebe immer reicher an Einsicht und Verständnis wird, damit ihr beurteilen könnt, worauf es ankommt." Philipper 1,9

Worauf kommt es an?
Christus ist das Leben und Sterben Gewinn. Der alte Mensch muss in den Tod, damit wir in der Auferstehungskraft Jesu Leben bekommen und schon hier und jetzt im Reich Gottes leben können. Damit unsere Tage hier auf Erden Frucht bringen. Eines Sinnes sollen wir sein. Einander verbunden in Liebe. Was heißt das? Der, der uns verbindet, ist der Heilige Geist und er allein kann uns in der Liebe eins machen, weil er die Liebe ist. Gewaltig groß ist das - wir können NUR eins werden, wenn wir den Blick auf IHN richten und nicht, indem wir einander ansehen. Das Leben im Geist hat also höchste Priorität. Es lohnt sich, es zu lernen, ihm nachzuspüren und immer mehr Raum zu geben.

"Denn Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen bewirkt, noch über euren guten Willen hinaus." Philipper 2,13

Welch große Zusage!
Was für eine Erleichterung.
Nichts muss ich aus mir selbst schaffen. Selbst das Wollen kommt aus ihm. Das finde ich so cool - dass er die ganze Kraft ist, die vollständige Bewegung, Antrieb, Startpunkt und Ziel. In dieser Fastenzeit bekommen wir das wirklich am eigenen Leib zu spüren. Mir ist die Gnade, die im Fasten liegt, noch nie so bewusst erlebbar geworden. Und ich erlebe, was es heißt, wenn Paulus schreibt, dass Gott in meiner Schwachheit stark ist.  Der Wille zum Fasten ist tatsächlich aus ihm heraus gewachsen und auch wenn es nicht immer einfach ist, so schenkt er uns doch unerwartete Freude, vertiefte Beziehungen und eine neue Dimension der Wahrnehmung.
Was ich herrlich entspannend daran finde, ist, dass wir nicht unter dem Gesetz stehen und wir Gott nichts beweisen müssen. Wenn wir straucheln und fallen, dann stehen wir einfach wieder auf und laufen weiter. So wie mein kleiner Sohn - er lernt gerade laufen und es macht ihm rein garnichts aus, wenn es ihn immer wieder auf die Schnauze haut. Manchmal weint er, oft lacht er und steht einfach wieder auf. Er ist geborgen in unserer Liebe, so wie wir geborgen sind in der Liebe des Vaters. In dieser Wahrnehmung hilft mir der Blick auf meine Kinder immer wieder.

"Vor allem, meine Brüder, freut euch im Herrn." Philipper 3,1

In der Freude des Herrn liegt unsere Stärke. Freude soll unser Leben füllen - ganz unabhängig von den Umständen. Aber wie geht das praktisch? Ein kleiner Schlüssel dazu liegt meiner Meinung nach im Folgenden:

"Eines aber tue ich, ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir liegt." Philipper 3,13

Nicht Erfahrung, sondern Verheißung sollen mein Handeln antreiben. Würde ich auf Erfahrung bauen, wäre nicht Freude, sondern Furcht und Sorge mein Begleiter. Dann würde das, was ich bereits erlebt habe, mich limitieren und binden - denn wenn es in der Vergangenheit so war, dann wird es immer so sein...
Wenn ich das meinem kleinen Sohn erzählen würde, nach dem Motto: Schau mein Kleiner - da bist du jetzt ordentlich hingefallen und hast dir weh getan. Besser ist es, du lernst nicht laufen, sondern bleibst beim Krabbeln. Das ist sicherer. Dann tust du dir nicht weh.
Im Blick auf das Kind lachen wir und finden das lächerlich, wenn man ihm raten würde, nicht laufen zu lernen. Aber wenn wir uns mal besinnen und unser eigenes Leben betrachten, dann handeln wir oft genau so. Wir blicken zurück und lassen uns von dem gefangen nehmen, was wir sehen.
Darum will ich wie Paulus den Blick nur nach vorne richten und voll Vertrauen mich in die Werke stürzen, die Gott bereits im Voraus bereitet hat. Ich glaube, leben im Geist ist sehr viel davon - im hier und jetzt sein und nach vorne blicken.

"Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott!" Philipper 4,6

Mit Dank. Immer mit Dank. Nur im Blick nach vorne ist das möglich, weil dort immer Hoffnung liegt. Im Blick zurück liegen oft Klage und Seufzen. Doch im Blick nach vorne ist alles möglich und der Herr kann jede Situation wenden. Wieder schaue ich meinen Sohn an. Sein Blick ist fest auf mich gerichtet, wenn er losläuft. Und wenn er nahe genug ist, dann wirft er sich auch noch nach vorne - im vollen Vertrauen, dass ich ihn auffangen werde. Und alles, was er erlebt, ist neu und aufregend für ihn. Er hat aber keinen Zweifel in sich, dass er etwas nicht schaffen könnte. Im Gegenteil - je höher er klettern kann, desto besser findet er das. Und er ist wirklich voller Freude. Im Entdecken, im Lernen, im Wachsen. Wenn wir nicht werden wie die Kinder, dann können wir nicht ins Himmelreich kommen. Und da ist nicht vom Himmelreich nach unserem Tod die Rede. Sondern von "wie im Himmel, so auf Erden." Mich berührt das. Und es ermutigt mich. Lasst euch auch ermutigen - beobachtet die Kinder, die ganz Kleinen, und bittet den Herrn, diese kindliche Zuversicht und Wesenheit in euch neu zu erwecken.

"Mein Gott aber wird euch durch Christus alles, was ihr nötig habt, aus dem Reichtum seiner Herrlichkeit schenken." Philipper 4,19

Wow! Schon wieder so eine herrliche und unfassbar große Zusage und Verheißung. Alles, was wir nötig haben, wird er uns schenken. Wir können und brauchen es uns nicht verdienen - es wird uns einfach geschenkt. Und der Herr weiß, was wir brauchen.

Mittwoch, 1. März 2017

Fasten

So Freunde:
Wer ein weiteres Kapitel im Selbstversuch "Einfach Gebet" erwartet, muss ich leider enttäuschen - ich hänge im vierten Kapitel fest und habe noch keine Zeit gefunden mich eine ganze Stunde, allein und in Ruhe, in die freie Natur zu begeben und einfach Wahrzunehmen. Aber es kommt bestimmt!!

Momentan beschäftigt mich das Thema Fasten.
Heute ist Aschermittwoch und damit ist die Fastenzeit eingeläutet.
Auf unserem Blog bei Credo-online haben wir ein bisschen darüber geschrieben, wieso dieses Jahr die Fastenzeit für uns neue Aspekte mit sich bringt.

Ich muss sagen, dass ich mich noch nie so auf eine Fastenzeit gefreut habe. Warum?

Die Dimension sich leer zu machen, damit Gott mehr Raum einnehmen kann, hat sich mir ganz neu erschlossen, als ich neulich außerplanmäßig in eine Fastenzeit gegangen bin. Und jetzt kommt noch die Dimension der geistigen Waffe hinzu. Fasten und beten, um sich eins zu machen mit Gottes Willen. Das ist irgendwie groß. Und ich habe bisher nur eine Ahnung davon, was es auslösen wird, wo jetzt einige tausend Menschen zeitgleich in eine Fastenzeit gehen mit dem Anliegen, dass Europa gerettet wird. Es erfüllt mich mit Freude und Aufregung, dass diese Fastenzeit der erste Schritt sein wird, dass Europa sich stark verändern wird. Der Hl. Geist soll wieder wehen in den Kirchen und das Europa, welches sich in den letzten Jahren immer mehr von Gott abgewendet hat, soll sich ihm wieder zuwenden und ihn preisen.
Ich schaue meine beiden, kleinen Söhne an und bekomme eine tiefe Sehnsucht im Herzen, dass sich hier wirklich etwas verändert und bewegt. Ich sehe sie und will Hoffnung und Zuversicht für sie haben, dass sie in einem veränderten und erneuerten Europa aufwachsen dürfen. Ich wünsche mir für sie eine fruchtbare Umgebung in der sie im Glauben aufwachsen und reifen dürfen und es nicht normaler ist Gott nicht zu kennen, als ihn zu kennen.
Ich habe Sehnsucht im Herzen, dass wieder Leben in die Kirchen kommt und das die Mauern, die zwischen den Konfessionen bestehen, zerbröseln in einer neuen Einheit im Geist. In der Bibel gibt es viele Geschichten über große Siege oder Kehrtwendungen, die mit einer Fastenzeit vorbereitet wurden. Am bekanntesten ist natürlich die 40tägige Fastenzeit Jesu in der Wüste, die seinem öffentlichen Wirken voraus ging (Mk 1,12/13).
Es geht nicht darum Gott etwas zu beweisen oder ihm etwas zu geben, indem ich auf etwas verzichte. Im Gegenteil: Sein "Ich habe Euch erwählt" geht dem Fasten voraus! Es geht wirklich darum unser Herz mit seinem in Gleichklang zu schwingen  und in seine Sehnsucht einzutauchen, dass alle Menschen zu ihm in Beziehung treten mögen. Er sehnt sich nach persönlicher Beziehung - zu jedem einzelnen Menschen auf dieser großen, weiten Welt. Das allein ist schon ein viel größeres Geheimnis, als mein Herz es fassen kann.
Ich persönlich kann nicht mit Blick auf die ganze Welt fasten, ja nicht mal mit Blick auf Europa oder Deutschland...das sprengt irgendwie meinen Horizont.
Also fange ich mit meinem Buben an, gefolgt von ihren Cousins und Cousinen, Freunden im Kindergarten und Kindern von Freunden. Und ich stelle mich mit einer Sehnsucht für diese in die Fastentage und bringe in ihnen die kommende Generation zum Herrn. Und ich weiß, dass Gott um jeden einzelnen weiß und sie sieht. Und das auch Gottes Sehnsucht ist, dass sie ihn kennen werden.

Darum freue ich mich auf diese Fastenzeit.

Wie geht's Euch so?
Seid gesegnet
isi

Donnerstag, 26. Januar 2017

Ein Selbstversuch - JETZT


Das dritte Kapitel von Einfach Gebet ist überschrieben mit "Jetzt". Die Übung fordert einen erneut auf sich 15 min Zeit zu nehmen und einfach im hier und jetzt zu sein. Die 15 min schrecken mich nicht mehr ab und ich schaffe es recht schnell einfach 15 min zu Sein. Auch hier hilft mir die Krankenphase meines jüngsten Sohnes, da ich viel Zeit (weit mehr als 15 min) damit verbringe ihn auf dem Arm zu haben und einfach zu Sein. Ein Gedanke dazu:

Im Matthäusevangelium sagt Jesus "Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich." Und immer wieder hören wir, dass wir werden sollen wie die Kinder. Schon beim ersten Kapitel ist mir das durch den Kopf gegangen und ich dachte, dass die Übung 15 min Nichts zu tun mich wahrlich nicht näher daran bringt, wie ein Kind zu sein.
Denn Kinder tun IMMER etwas.
Und sie sind immer im JETZT.
Es interessiert sie nicht groß, was gestern war und an morgen denken sie auch nicht. Je Kleiner desto ausgeprägter. Sie wollen JETZT etwas zu essen, müssen JETZT gewickelt werden und wollen vor allem JETZT spielen und deine ganze Aufmerksamkeit. In den letzten Tagen habe ich mir das vor allem mit meinem Dreijährigen zu Herzen genommen und versucht viel Zeit mit ihm im Jetzt zu verbringen. Er hat mich auch mal überführt und mich liebevoll an unschöne Gewohnheiten erinnert, indem er gesagt hat: "Bitte leg das Handy jetzt weg, Mami." Ich habe mich ertappt gefühlt und meinen Vorsatz erneuert, das Handy nicht mehr so viel vor den Kindern zu nutzen, Und ich habe den Vorsatz erweitert, indem ich dem Leo die Erlaubnis gegeben habe, mich daran zu erinnern. Und das tut er auch. Ist das Handy dann mal auf den Schrank verbannt, spielt es sich ganz entspannt. Ob beim Karottensammeln im Rübenratz-Spiel oder beim "Linus fängt die grüne Raupe" haben wir wirklich schöne Zeit im Jetzt verbracht (ganz ohne Wecker oder 15 min im Auge zu haben.)

Und zum Schluss noch eine Episode zum zweiten Teil der Übung:

Es war letzte Woche, mitten in der Nacht, und Linus lag wimmernd auf meiner Brust und konnte einfach nicht in den Schlaf finden. Er hatte hohes Fieber und alles was ich zur Linderung tun konnte, hatte ich bereits getan und so blieb mir nur ihn zu halten. Ich war müde, konnte jedoch klarer weise auch nicht schlafen. Da habe ich mich des zweiten Schrittes der Übung entsonnen und mir vorgestellt, dass Jesus mit mir im Raum sitzt. Und ich habe begonnen mit ihm zu sprechen. Ich habe begonnen seine Heilung über Linus zu beten, habe ihm die Hände aufgelegt und innständig gebetet, weil er wirklich in einem erbarmungswürdigen Zustand war. Er wimmerte immer schlimmer und ich merkte, wie meine Worte langsam zornig wurden und dann hab ich Jesus all meinen Frust hingeknallt. Ich habe ihn gefragt, was ich denn falsch mache, warum er denn nicht JETZT eingreift, warum er einfach dasitzt und zusieht, wie mein Bübchen leidet. Ob das denn sein Wille sei? Es kam wirklich Verzweiflung, Müdigkeit und Frust aus mir heraus und schwappten zu ihm hinüber. Ich war gerade schon dabei, mich innerlich ganz schlecht zu fühlen und mir selbst Vorwürfe zu machen, weil ich meinen Herrn und Gott so angreife, als das letzte Wort aus meinem Mund fiel. Aber als ich alles gesagt hatte und wieder ruhig wurde, Linus noch immer wimmernd auf mir, hat sich plötzlich das Bild verändert:

Ich wusste mit einem Mal ganz klar: Nein - das ist nicht Gottes Wille. Denn Gott ist immer gut und sein Wille für uns ist gut. Aber wir leben in einer gefallenen Welt und so bricht sein Wille nicht immer durch. Ich konnte plötzlich sehen: Jesus war MIT mir in meinem Leid.  Er saß plötzlich nicht mehr am anderen Ende des Raumes und sah zu, sondern er hielt mich und meinen Sohn in seinen Armen und er weinte über jeden Schmerz und jede Verzweiflung, die ich spürte. Er war hier, hier und jetzt, und er war bereits dort gewesen und hatte es alles bereits selbst durchlitten. Ich wusste plötzlich, dass er mich versteht wie kein Anderer.

Das war echt toll!

Bis zum nächsten Kapitel Gottes Segen Euch!

Mittwoch, 18. Januar 2017

Ein Selbstversuch - Geheimnis

Linus versucht das Geheimnis zu lüften...

Da bin ich wieder. Früher als ich gedacht hätte, konnte ich mich dem zweiten Kapitel und der zweiten Übung annehmen. Das Kapitel ist überschrieben mit "Geheimnis" und es ist tatsächlich ein Geheimnis, dass wir einen Gott haben, der mir personell gegenübertritt und dem es ein tiefes Anliegen ist, mir zu begegnen und Beziehung zu mir zu haben. Aber dazu später mehr.

In der Übung werde ich aufgefordert mir Gedanken zu machen über mein Innen und mein Außen. Ich verwende gleich die Graphik im Buch und sammle, was ich denke, dass die Menschen, die Welt, meine Lieben sehen, wenn sie mir begegnen. Da gibt es vieles - von der Tochter, der Schwester, der Mutter, der Ehefrau angefangen, über die Schriftstellerin, die Freundin, die Zuhörende, die Gastgeberin, die am Morgen Grantige, die Starke, die Pünktliche, die Unsportliche; bis hin zu der, die fest im Glauben steht, auf Gott vertraut, gerne lacht, die glaubt sie kann singen und kochen und die schreiben kann...die Liste ließe sich endlos ausbauen. Ich habe festgestellt, dass es unzählige Außenansichten von mir gibt - je nachdem durch welche Augen ich versuche mich zu betrachten. Und dann kommt das Innen, was ich versuche in den kleinen Kreis zu quetschen, der kaum genug Raum bietet...
Ich stelle fest, dass vieles, was nach außen Sichtbar ist, auch mit meinem Innen übereinstimmt. Aber da ist noch mehr. Da sind meine Sehnsüchte und verborgenen Gedanken, da sind meine Zweifel und das ist auch etwas, was ich bisher so nicht wahrgenommen habe: Da ist die, die sich vor Gott manchmal verstecken will. Und gleichzeitig ist da eine Wahrnehmung, dass dieser Gott mich tatsächlich so mag wie ich bin - und mich schön findet. Das erschüttert mich immer wieder, aber Gott hat mir einen wundervollen Mann geschenkt, der mir eben diese Wahrnehmung immer wieder erfolgreich vermittelt und es mir so auch leichter macht anzunehmen, dass Gott mich so sieht und liebt und einfach unfassbar toll findet...irgendwann ist der Kreis voll und ich blättere eine Seite um und muss erstmal laut seufzen: Hätte ich mir ja denken können. Zu Beginn darf man sich nochmal 15 min ins Nichtstun begeben und die Hände öffnen.
Ha! Das kann dann ja eine Weile dauern.
Aber Gott ist gut und kann aus allem etwas Gutes machen. Während ich das zweite Kapitel schon auf die lange Bank schieben möchte, wird unser Jüngster krank. Er speit, hat Fieber und ist nicht gut beieinander. Eigentlich kommt er nur wirklich zur Ruhe, wenn er auf mir liegt und dort gemütlich vor sich hindämmert - was mich zum Nichtstun verdammt. Verdammt?
Während ich da so sitze und mich etwas gräme, dass ich so zu Nichts komme und mir überlege, was gerade alles liegen bleibt und gleichzeitig mein Herz zerschmilzt beim Anblick des leidenden Bübchens, stocke ich...ich komme zu Nichts, ich bin zum Nichtstun verdammt. Oder? Und dann muss ich grinsen und lache laut, was fast den Kleinen weckt und sage: Danke Jesus!!
Da versuche ich die ganze Zeit, Zeit zum Nichtstun zu finden und jetzt sitze ich hier und bekomme genau das. Jetzt muss ich nur noch die Hände öffnen und die Gedanken den Fluss runter schicken. Es ist eine Offenbarung. So habe ich in den letzten Tagen oft Gelegenheit bekommen mich im Nichtstun zu üben und während ich jetzt nicht nur mehr mir, sondern auch meinem Sohn beim Atmen zuhöre, gelingt es mir immer besser.

Dann bin ich am anderen Tag mit meinem Mann im Gebetsraum. Ich mache mir Ohropax rein betrachte etwas neidisch eine Mitschülerin vom Con, die schon seit einer Stunde vorne kniet und mit geradem Rücken, ganz entspannt Nichts tut. Aber dann komme ich zurück zu mir und versuche diesen Ort zu finden, von dem Johannes in dem Kapitel schreibt. Diesen Garten in mir selbst, an dem ich Gott begegnen kann. Ich schließe dazu die Augen und versuche diesen Garten irgendwie zu sehen.
Es gelingt mir nicht.
Alles was ich sehe sind rote und schwarze Nebelschwaden. Ich frage mich eh immer, was sie Leute wirklich meinen, wenn sie sagen, dass sie ein "Bild" haben...sehen sie das scharf? Wie gemalt oder fotografiert? Bei mir ist es meistens ziemlich nebelig und wenn ich etwas zu erkennen glaube, dann ist es nur der Hl. Geist, der meinem Versuch es zu beschreiben Sinn einhauchen kann...
Aber ich gebe nicht auf und schaue einfach in die Nebelschwaden. Ich weiß, dass es das Blut ist, welches durch meine Augenlieder fließt. Ich versuche mich auch nicht in irgendwelche Vorstellungen zu flüchten, sondern wirklich einfach nur nach innen zu gehen.

Und dann gelingt mir etwas, was nur sehr selten der Fall ist; Ich schließe auch meine inneren Augen.

Und plötzlich, für den Bruchteil einer Sekunde, bin ich dort. Ich stehe mit den Füssen in einem Bach, runde abgeschliffene Steine unter den Sohlen. Es ist irgendwie ein Gebirgsbächlein, ein paar größere Steine ragen aus dem Wasser und kleine Strudel bilden sich daran. Ich denke sofort an Staudamm bauen. Links von mir ist ein dunkler, dichter Tannenwald - nicht unheimlich, sondern vertraut. Auf der rechten Seite des Baches stehen nur ein paar Bäume, darunter satte grüne Wiese...
Das Bild ist so schnell verschwunden, wie es gekommen ist, aber ich weiß: das ist mein Garten. Ich habe erst einen winzigen Ausschnitt gesehen, aber der war genial. Das Wasser so frisch und kühl, dass man es sofort trinken möchte, die Luft angenehm warm, die Sonne scheint durch die Bäume und mit meinen Zehenspitzen spiele ich mit den abgeschliffenen Kieselsteinen...

Ich konnte bisher nur diesen einen Blick erhaschen, aber er macht Lust auf mehr. Und ich weiß, dass Johannes recht hat, wenn er sagt, dass Gott es genießt, wenn ich ihm diese Zeit schenke. Das kann ich spüren. Mein Herz ist schon ruhiger geworden in den letzten Tagen und ich weiß: Gott hat großes an mir getan.

Und ich habe schon richtig Lust aufs nächste Kapitel!
Seid gesegnet und bis Bald,
isi

PS: Es würde mich sehr interessieren, wie ihr dem Geheimnis näher kommt!

Montag, 16. Januar 2017

Ein Selbstversuch

Einfach Gebet

Das kleine, neue Buch von Johannes Hartl, "einfach Gebet" liegt auf meinem Nachttisch und wird mich die nächsten Wochen begleiten. Ich habe mir vorgenommen immer nur dann das nächste Kapitel zu lesen, wenn ich die Übung des vorangegangenen geschafft habe. Und ich will Euch auf diese Reise mitnehmen. Quasi als Selbstversuch.

Das Buch ist dünn und eigentlich dachte ich, da bin ich schnell durch.
Falsch gewettet.
Das erste Kapitel kommt mit der unscheinbaren Überschrift "Nichts" daher und die Übung fordert dazu auf, einfach mal 15 min nichts zu tun. Hinsetzen, Handy aus, Hände öffnen, nichts tun.
Das ist echt einfach, dachte ich mir und war schon fast versucht, gleich das zweite Kapitel zu lesen - weil 15 min nichts tun - das würde ich doch mit links schaffen und dann könnte ich die nächste Übung gleich mitmachen.
Ha!
Dann habe ich mich zusammengerissen, das Buch zugeschlagen und es erstmal versucht. Und bin dabei eingeschlafen. ungefähr bei Minute drei. Ich habe mich am nächsten Morgen auch gleich an der eigenen Nase gepackt, überführt und festgestellt, dass das eigene Bett vielleicht nicht der richtige Ort für diese Übung ist. 
Also weiter... 
Versuch zwei, drei, vier und fünf sind an meinen kleinen Buben gescheitert. Mami einfach Mal 15 min beim Nichtstun zusehen? Als ob das jemals vorgesehen gewesen wäre - da fällt doch dem einen sofort das wichtigste Buch zum Vorlesen ein und der andere bohrt unaufgefordert mit seinen Fingern in meinen Augen rum, just in dem Moment ist die Windel des Kleinen voll und der Große braucht jetzt unbedingt einen geschälten Apfel in Stückchen...und Schwupps  schon war eine Woche um und  meinen 15 min Nichtstun war ich noch keinen Schritt näher gekommen.
Dann sah ich meine große Chance: ich begleite meinen Mann ins Gebetshaus, Omami bleibt bei den Buben. Jetzt muss es klappen. In den vier Stunden Gebetsraum habe ich einige Versuche gestartet und bin kläglich gescheitert - an meinen eigenen Gedanken.
Puh! Das so viel in meinem Kopf vor sich geht und sich partou nicht abschalten lässt. Das hatte ich mir irgendwie einfacher vorgestellt...
Aber nicht aufgeben, denke ich und am nächsten Abend gleich nochmal. (Ein Hoch auf die Omami)
Aber auch diesmal lassen sich meine Gedanken nicht abstellen, auch wenn ich fleißig versuche sie gedanklich in Schiffchen zu setzen und den Fluss runter zu schicken. Immerhin schickt Gott mir einen Psalm: 116,7: Komm wieder zu Ruhe mein Herz, denn Gott hat Großes an Dir getan.
Der Psalm tut mir gut und ruft mir zwei Wahrheiten zu:
1, Das Herz des Menschen kommt immer aus der Ruhe - es wird umgetrieben von so vielem. Doch Gott ruft mir zu: Komm wieder zur Ruhe. In meine Ruhe. Es gibt diese Ruhe!
2, Gott hat tatsächlich Großes an mir getan. Und es ist gut, mir das jeden Tag neu in Erinnerung zu rufen.
Also denke ich: Loben zieht nach oben und Danken schützt vor Wanken und nutze die Zeit im Gebetsraum genau dafür. Da kann ich im Lob und Dank doch so einiges ans Kreuz werfen, was in meinen Gedanken so herumwirbelt. 15 min Nichtstun muss warten...

Schließlich finde ich mich in meinem Bett wieder, wo alles angefangen hat. Diesmal stelle ich einen Wecker - 15 min. Ich sitze aufrecht, die Hände offen auf meinem Schoss - Leo ist im Kindergarten und Linus schläft. Und da sitze ich dann und schicke meine Gedanken den Fluss runter. Und tatsächlich - langsam wird mein Kopf leiser, mein Herz ruhiger und ich höre mir selbst beim atmen zu. Ich höre mir einfach beim atmen zu. Das hilft. Und als der Timmer klingelt, ärgere ich mich fast, dass ich ihn gestellt habe, weil ich gerade so schön im Nichtstun angekommen war.
Aber dann rufe ich laut: Halleluja und freue mich echt darüber, was gerade geschehen ist...

Und morgen lese ich das zweite Kapitel und lasse Euch dann irgendwann wissen, wies weitergeht...nach dieser ersten Erfahrung kann ich nicht versprechen, dass es morgen sein wird 😏

Samstag, 30. August 2014

Fluch in der Familie

Artikel von Marie-Sophie Maasburg


Gibt es so etwas? Einen Fluch auf einer Familie? Ein Unheil, das sich über Generationen durch eine Familie zieht und immer wieder an die Oberfläche kommt? Um das zu beantworten, braucht man sich nur umzusehen. Es gibt Familien, die scheint wirklich alles zu treffen. Ein Unglück nach dem anderen entlädt sich über ihnen. Krankheit, Tod, Trennungen und Streit ziehen sich wie ein roter Faden durch die Generationen. Und oft fragt sich das mitleidige Herz, wie gerade diese Menschen das verdient haben sollen. Wenn man das Internet durchstöbert findet man allerhand über Flüche, die auf Familien liegen und ein reichhaltiges Angebot – vermehrt aus der Esoterik – dem zu entkommen. Das Phänomen, dass sich Unglücksfälle, Selbstmorde, Totgeburten, Depression oder Krankheiten wie ein Muster in gewissen Familien verdichten, ist vielerorts zu beobachten.


Studien aus der medizinischen Forschung haben belegt, dass wir von unseren Vorfahren gewisse Dispositionen erben. Anlagen zu Krankheiten oder die Krankheit selbst. Dann heißt es beispielsweise: auch dein Großvater hatte schon einen Hang zu Depressionen; oder man erkrankt an Krebs und stellt dann in der Anamnese fest, dass es in den vorhergehenden Generationen auch schon Krebserkrankungen gab. Im Fall der biologischen Erbfolge nehmen wir dieses Erbe als unausweichlich an und hoffen inständig, dass es bei uns nicht zum Tragen kommt. Und fänden wir eine Heilungsmethode, die nicht nur uns, sondern auch unsere Kinder von der Belastung entbände, würden wir alles dafür geben.


Ebenso kann sich die Sünde unserer Vorfahren sehr konkret auf unser Leben auswirken, da wir dieses Erbe ebenso tragen wie das biologische. Geht man auf die geistige Ebene, fällt es den meisten schwer, eine solche „Erbfolge“ anzuerkennen, auch wenn sie spürbar Auswirkungen auf das Leben hat. Etwas im Mensch wehrt sich, die „Sündenfolge“ als Tatsache anzuerkennen. Denn sind wir nicht selbstbestimmte, freie Menschen? Können wir nicht alles allein aus uns heraus schaffen, lösen und erreichen, wenn wir nur wirklich wollen? Wie sollte eine Sünde meiner Großväter sich auf mein heutiges Leben auswirken? Es entspricht unserem Denken, dass wir nur das ausbaden, was wir selbst verschuldet haben und nicht das, was andere verschuldet haben!


Aber immer wieder kommen Menschen in ausweglose Situationen. Es gibt Abfolgen unerklärlichen Versagens, was zu lähmenden Angstzuständen führt. Oder es geschehen Verkettungen unglücklicher Umstände, die mit rationalem Denken nicht mehr erklärbar sind. Oft sind es in der betroffenen Familie typische und wiederkehrende Muster. Und je mehr man sich dann mit dieser Familie/Familiengeschichte auseinandersetzt, desto mehr muss man feststellen, dass es "wie ein Fluch" ist.


Interessanterweise stößt man gerade in katholischen Kreisen auf Ablehnung dieser Thematik. Der katholische Christ wehrt sich dagegen, dass ein Fluch auf ihm selbst oder der eigenen Familie lasten könnte. Es scheint dem Erlösungswerk Jesu zu widersprechen. Wie kann jemanden eine solche Last und Auswirkung treffen, wenn er an Jesus Christus glaubt, sich zu ihm bekennt und seine Vergebung angenommen hat? 


Die Erbsünde oder Ursünde führte zum Tod. Durch Jesus Christus haben wir das Leben. Aber wir leben in dieser, der gefallenen Welt und sind den Folgen der Erbsünde demnach ausgesetzt – trotz der Erlösung. Dieser Aspekt wird gerne ausgeblendet, so wie die Relevanz des Alten Testament oft angezweifelt wird. Sich jedoch nur auf das Neue Testament zu beziehen ist kurzsichtig und unvollständig, können wir doch das meiste aus dem Neuen ohne das Alte gar nicht wirklich verstehen. Beide Testamente gemeinsam sind das Wort Gottes und so sind die Wahrheiten aus dem Alten im Neuen zwar vollendet, damit aber nicht aufgehoben.

Die gute Nachricht ist, dass wir dieser „Sündenfolge“, die auch unverschuldet auf uns liegen mag, nicht hilflos ausgeliefert sind. Denn Jesus Christus IST für uns gestorben und hat für uns mit seinem Blut bezahlt. Genau an diesem Punkt fassen das Alte und das Neue Testament wie ein Zahnrad ineinander. Was uns das Alte Testament  in oftmals schwer erträglicher, drastischer Weise an Prinzipien und Wahrheiten vor Augen hält, wird durch das Neue Testament in ein helles Licht der Hoffnung gerückt. Die Prinzipien und Wahrheiten werden nicht aufgehoben, aber durch Jesus Christus ist uns der Schlüssel zur Erlösung gegeben.


Das Wort Gottes besteht nicht nur aus Gesetzen, sondern auch aus Prinzipien. Es gibt geistliche und physische Prinzipien, die sich im Wort Gottes wiederholen. So gibt es einzelne Beschreibungen, die einmalig vorkommen und so zeitspezifisch gedeutet werden dürfen. Es gibt jedoch auch so genannte Göttliche Prinzipien, die sich durch die ganze Bibel ziehen. So steht beispielsweise im dritten Buch Mose 20,9 „Jeder, der seinen Vater oder seine Mutter verflucht, wird mit dem Tod bestraft. Da er seinen Vater oder seine Mutter verflucht hat, soll sein Blut auf ihn kommen.“ Dem gegenüber steht das vierte Gebot, welches die andere Seite des gleichen Prinzips beleuchtet: „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass es dir wohl ergehe und du lange lebest auf Erden.“ Dem Fluch steht der Segen gegenüber. Das Prinzip, dass der Umgang mit den eigenen Eltern eine konkrete Auswirkung auf das eigene Leben hat, kann man in vielen biblischen Geschichten wieder finden und auch heute kann es jeder persönlich erleben.


Wir lesen in der Bibel immer wieder, dass die, die Gott lieben und seine Prinzipien achten, vielfältigen Segen erhalten werden. Dem steht gegenüber, dass wenn wir sündigen, wir dem Feind ein Einfallstor öffnen. Und im Zustand nach der Sünde hat dieser ein legales Anrecht darauf, uns „zu bestehlen, zu zerstören und zu töten“ Joh.10,10.  Weil wir es ihm eingeräumt haben, durch die Sünde. Nun gibt es die Einstellung, einem Christen könne ja nichts mehr passieren, wenn er sein Leben in Jesu Hände gegeben habe, da jetzt Jesus für ihn streitet. Aber das stimmt nicht, und ein Blick in unsere Welt genügt, um das zu erkennen.


Es ist wahr, dass Jesus den Streit bereits gewonnen HAT. Aber jeder Mensch ist dazu berufen, ein aktiver Mitstreiter zu sein und die Waffen, die Jesus ihm hinterlassen hat, zu nutzen. (siehe Eph. 6,10ff) Mit seinen letzten Worten am Ende des Markusevangeliums, sendet er seine Jünger aus, um Dämonen auszutreiben. Er sagt nicht, sie seien alle bereits ausgetrieben, weil er auferstanden ist. Er ruft seine Jünger auf, aktiv zu werden. Es liegt kein Heil in der Passivität.


Jesus hat den Preis für uns bereits gezahlt. Aber wir müssen uns in Bewegung setzen und dies annehmen. Wir müssen in Anspruch nehmen, was uns Gott legal zugesagt hat - was uns als seinen Söhnen und Töchtern zusteht. Er zwingt es uns nicht auf, da er sich nicht über unseren freien Willen stellt. Durch Jesus sind die Gesetze des alten Bundes nicht aufgehoben, aber seine Gegenwart in uns lässt das Gesetz der Liebe Wirklichkeit werden. Dennoch gelten für die Welt die unveränderlichen Gebote Gottes, die Jesus mit seinem Kommen nicht aufgehoben, sondern vollendet hat. Tun wir also Dinge, die Gott ein Gräuel sind, so öffnen wir die Tür, die dem Feind ein legales Anrecht gibt, uns zu zerstören und zu töten. Und dieses Anrecht fordert er ein, wie man in vielen Familien beobachten kann.


Jesus ist gekommen, um dieses legale Anrecht des Feindes aufzuheben. Er hat alle Schuld auf sich genommen, um uns einen Weg in die Freiheit zu bahnen. Und doch ist seine Erlösung keine Automatik. Es ist nicht so, dass wir mit einem einmaligen „Ja“ unserem Herrn Jesus Christus einen Blanko-Schein ausstellen und er sich dann ohne unsere Wahrnehmung und unser Zutun um alle Baustellen kümmert die er findet. Denn er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Und das bedeutet Bewegung, Beziehung und Entwicklung. Es ist immer wieder an uns, aus freiem Willen Ja zu sagen, zu diesem - seinem - Geschenk. Mit jedem Ja, das wir sprechen, räumen wir ihm mehr Raum ein, unser Inneres zu beleuchten und die dunklen Stellen zu finden und zu beseitigen.

Und mehr noch.

Setzen wir uns seinem heilenden und heiligenden Licht aus, können wir uns für unsere Nachkommen in den Riss stellen und verhindern, dass eine Sündenfolge auf unsere Kinder übergeht. Konkret heißt das, sich mit den Sünden der Vorfahren auseinanderzusetzen, vom heiligen Geist führen zu lassen und beispielsweise für das Geschehene stellvertretend um Vergebung zu bitten. Es gibt geistliche Angebote, die einem auf diesem Weg beleiten. (weiterführende Literatur: „Juliana“ von Marie-Sophie Lobkowicz, Präsenz-Verlag)


Gott, der Vater, bietet uns in seinem Sohn seine Gemeinschaft an und erneuert seine Beziehung zu uns Menschen. Er tut das ohne jede Bedingung, außer der kindlichen Bereitschaft, sich beschenken zu lassen. In jenem verharmlosenden „außer“ steckt jedoch der ganze Kern des Problems: es muss erst, „der alte Mensch gekreuzigt werden, damit der Leib der Sünde vernichtet werde und wir nicht Sklaven der Sünde bleiben“ Röm 6,6. Sich beschenken zu lassen klingt so leicht, ist es aber augenscheinlich nicht. Es ist ein Weg mit Gott; ein Lernen und Begreifen und immer neues Erkennen, wo unser alter Mensch noch nicht gekreuzigt wurde und wir nicht in der Lage sind, das Geschenk anzunehmen, das er für uns bereit hält.

Erstaunlicherweise sind viele eher bereit, sich den schrecklichen Umständen zu ergeben, als die Hände zu öffnen und sich befreien zu lassen. Jeder kann in sich gehen und das für sich persönlich prüfen. Und jeder wird wohl dieses Gefühl kennen, wenn man unverdient etwas Großes geschenkt bekommt. Das Gefühl es nicht verdient zu haben. Das Gefühl nichts, aber auch gar nichts, im Gegenzug geben zu können. Die meisten werden zugeben, dass dies kein gutes Gefühl ist. Es trägt etwas von Scham und Demut in sich. Und damit können wir Menschen nicht recht umgehen - seit dem Tag, an dem Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis gegessen haben.


Im Deuteronomium 28 werden Segen und Fluch genau beschrieben. Gott will den Menschen ein Leben in Fülle schenken. Auch, und vor allem den Familien. Denn eine Familie, angefangen mit der Ehe, ist die kleinste Einheit, in der die liebende Beziehung des dreifaltigen Gottes sichtbar werden darf. Aber bei denjenigen, die anderen Götter dienen und sich gegen ihn auflehnen, werden die Folgen ihrer Sünden bis in die vierte Generation zugelassen: „Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen und an der dritten und vierten Generation“ (Deut. 5,9) und in Exodus 34,6-7 steht ganz klar: „Er verfolgt die Schuld der Väter an den Söhnen und Enkeln, an der dritten und vierten Generation.“ Das erscheint logisch, da die vierte Generation das Maximum ist, welches ein Mensch in seiner Nachkommenschaft erleben kann. Das beste Beispiel ist die gesamte Heilsgeschichte der Juden, in der sich das Wechselspiel von Fluch und Segen beobachten lässt.


So oft steht die Frage im Raum: Wenn Gott ein Gott der Liebe ist, warum gibt es soviel Unheil, Hunger, Elend und Leiden auf dieser Welt? Für viele hat der Ursprung dieser Frage seine Wurzel in der eigenen Familie und in den eigenen Umständen. Denn an sich selbst und an seinem Nächsten erfährt der Mensch die raue Wirklichkeit. Und je näher ein Unglück geschieht, desto tiefer trifft es ihn persönlich und lässt sich nicht mehr auf einer abstrakten Ebene betrachten. Aus christlicher, biblisch fundierter Sicht ist die Antwort auf diese Frage eindeutig:


Es ist die Frucht der Sünde und das vernichtende Werk Satans. Weil Gott dem Menschen die Wahl gegeben hat, sich zu entscheiden zwischen Leben und Tod, Segen oder Fluch. Wem dienst du? Gott oder Satan? Es gibt nur Licht oder Finsternis. Viele wollen sich für die graue Zone entscheiden. Sie wollen weder Fisch noch Fleisch sein.

Aber diesen grauen Bereich gibt es nicht


Das Wunderbare am Glauben ist, dass wir die Freiheit geschenkt bekommen haben uns zu entscheiden. Und dass wir jeden Tag aufs neue Ja sagen können zu unserem Gott. Und wenn wir das tun, dann setzt er uns Stück für Stück frei und wir erleben, wie der Segen, den er für uns bereithält, beginnt zu fließen.